
ADFC: Kein Aufbruch für Verkehrswende in Hamm
Der ADFC Hamm kritisiert den Koalitionsvertrag der neuen Ampel-Koalition. Trotz guter Ansätze fehlt es an mutigen Entscheidungen für eine echte Verkehrswende.
Veröffentlicht: Montag, 17.11.2025 12:13
Fortschritte im Radverkehr in Hamm
Am 11. November äußerte sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hamm zum Koalitionsvertrag der neuen Koalition aus SPD, Grünen, Volt und FDP. Der ADFC begrüßt zwar, dass der eingeschlagene Weg im Radverkehr fortgesetzt und das Ziel der Klimaneutralität bis 2035 beibehalten werden soll. Doch von einem echten Aufbruch für die Verkehrswende könne keine Rede sein. Statt mutiger Maßnahmen setze die Koalition auf das individuelle Verhalten der Verkehrsteilnehmer und werbe für eine Gleichberechtigung von Radfahrern, Fußgängern, ÖPNV und Autoverkehr. Die ambitionierten Ziele des Masterplans Mobilität, den Verkehr gleichmäßig auf alle Verkehrsmittel zu verteilen, bleiben unerreicht.
Keine Priorisierung des Radverkehrs in Hamm
Der ADFC fordert sichere, komfortable und durchgängige Radwegenetze sowie eine Priorisierung des Radverkehrs auf den Radhauptrouten. Zwar plane die Koalition, die Mittel für den Radverkehr um eine Million Euro zu erhöhen und zusätzliche Planungsstellen zu schaffen, doch eine zentrale Koordinationsstelle für Nahmobilität fehle weiterhin. Ohne eine solche Koordination drohe die Umsetzung des Mobilitätsplans Stückwerk zu bleiben. Auch die angekündigte gerechtere Flächenverteilung bei Straßenneu- und -umbauten bleibe hinter den Erwartungen zurück. Ein Beispiel sei die Goethestraße, wo lediglich bestehende Normen umgesetzt wurden, ohne echte geschützte Radinfrastruktur zu schaffen. Zwar verspreche der Koalitionsvertrag erneut Protected Bike Lanes und Pop-up-Radwege, doch bisher wurde keine dieser Maßnahmen realisiert, so der ADFC.
Fehlendes Gesamtkonzept in Hamm
Ein weiteres Problem sei das Fehlen eines systematischen Sanierungsprogramms für bestehende Radwege. Viele straßenbegleitende Radwege in Hamm entsprechen nicht den gesetzlichen Anforderungen und seien oft unsicher. Der ADFC fordert klare Prioritäten, messbare Standards und jährliche Ziele für die Sanierung. Die neue Koalition setze auf Anreize statt Einschränkungen, verzichte jedoch auf Maßnahmen wie die Erhöhung von Parkgebühren oder Bewohnerparkausweisen, um den Flächenverbrauch durch parkende Autos zu reduzieren. Stattdessen sollen Parkhäuser und Quartiersgaragen Abhilfe schaffen, ein Ansatz, der laut ADFC das Grundproblem nicht löst.
Mutige Entscheidungen in Hamm benötigt
Der ADFC lobt die Fortführung bewährter Projekte wie das Aktionsprogramm Radverkehr, neue Abstellanlagen und beleuchtete Wege. Doch ohne mutige Entscheidungen für ein sicheres und zusammenhängendes Radwegenetz sowie eine gerechtere Aufteilung des öffentlichen Raums wird die Verkehrswende in Hamm nicht gelingen.