
Ärzte in Hamm warnen vor schweren Feuerwerk-Verletzungen
Hammer Ärzte behandeln jedes Jahr Verletzungen durch Silvesterfeuerwerk - besonders bei Kindern. Die Experten appellieren eindringlich an Eltern, keine Böller auszuhändigen.
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.12.2025 08:23
Johanniter Hamm: Verletzte jede Silvesternacht
Die Bilanz der Johanniter Hamm ist erschreckend: Mindestens fünf Personen, darunter drei Kinder oder Jugendliche, stellen sich jede Silvesternacht wegen Verletzungen durch Böller in den zentralen Notaufnahmen vor. Ab Neujahr kommen weitere Kinder aus umliegenden Krankenhäusern ins spezialisierte Zentrum für brandverletzte Kinder. Dr. Philip Hitzler, Chefarzt der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, und Oberarzt Martin Lenneper vom Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder berichten von meist kleinflächigen, aber häufig tiefen Verbrennungen bis Grad 3. Betroffen sind oft die Hände, aber auch Verletzungen von Gesicht und Hals durch umherfliegende Feuerwerkskörper sehen sie regelmäßig. Bei einigen Kindern und Jugendlichen werden sogar Hauttransplantationen notwendig.
"Aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre appellieren wir daher insbesondere an die erziehungsberechtigten Personen, Kindern keine Böller auszuhändigen!" - Dr. Philip Hitzler und Martin Lenneper, Johanniter Hamm
Barbara-Klinik: Bis zu zehn Schwerverletzte pro Silvester
Auch in der St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen ist Silvester eine besonders belastende Zeit: Durchschnittlich fünf bis zehn Verletzungen durch Feuerwerkskörper behandelt das Team um Chefarzt Dr. Adrian Komadinic zur Silvesterzeit. Die Verletzungen sind dramatisch: schwerste Handverletzungen bis hin zu Amputationsverletzungen und Verbrennungen. Häufig kommen auch sogenannte Knalltraumen von Ohren und Augen vor. Die Experten bestätigen, dass Alkohol, Drogen und illegales Feuerwerk wesentliche Risikofaktoren darstellen. Durch den Genuss von Alkohol werden die Sinne beeinträchtigt - sowohl Wahrnehmung als auch Feinmotorik leiden. Gleichzeitig macht Alkohol risikofreudiger, was in Kombination mit Feuerwerkskörpern schnell lebensgefährliche Situationen entstehen lassen kann.
"Generell handelt es sich nicht selten um schwerste Handverletzungen bis hin zu Amputationsverletzungen und Verbrennungen." - Dr. Adrian Komadinic, St. Barbara-Klinik Hamm-Heessen
Hammer Ärzte befürworten strengere Regelungen
Beide Kliniken sehen ein Feuerwerksverbot durchaus als sinnvoll an. Dr. Komadinic von der Barbara-Klinik hält zumindest ein teilweises Verbot in Brennpunkten und strengere Regeln für einen guten Kompromiss. Die Johanniter betonen, dass die Türen ihrer Notaufnahmen an allen drei Standorten rund um die Uhr offen stehen, bitten aber um Verständnis, dass in Spitzenzeiten die Notfälle gesichtet und priorisiert werden müssen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft untermauert die Erfahrungen aus Hamm: Bundesweit hat sich die Zahl der besonders schwer Verletzten, die stationäre Versorgung benötigten, in der Silvesternacht im Vergleich zum Jahresdurchschnitt vervierfacht. Am 1. Januar 2025 wurden deutschlandweit 100 Schwerverletzte stationär aufgenommen - darunter auch sechs Kinder im Alter zwischen einem und neun Jahren.