
Ärztesprecher warnt vor drastischem Hausärztemangel
In Hamm könnten die Hausärzte in naher Zukunft knapp werden. Fast jeder fünfte Mediziner steht kurz vor der Rente, während es gleichzeitig an Nachwuchs mangelt..
Veröffentlicht: Montag, 30.03.2026 06:02
Region ist beim Hausarzt-Angebot bundesweites Schlusslicht
Aktuelle Daten des Bundesarztregisters zeigen eine besorgniserregende Entwicklung für unsere Region. Westfalen-Lippe bildet bei der Versorgung mit Hausärzten das Schlusslicht in ganz Deutschland. Auch in Hamm verschärft sich die Situation, da viele Mediziner kurz vor dem Ruhestand stehen. Bereits jetzt sind fast 20 Prozent der rund 90 Hausärzte in der Stadt älter als 65 Jahre. Der Hammer Ärztesprecher Dirk Hensel warnt deshalb vor einem dramatischen Engpass, der die verbleibenden Praxen zunehmend belasten und mögliche Neuansiedlungen unattraktiver machen könnte.
Ärztesprecher in Hamm fordert offizielle Anerkennung des Mangels
Offiziell liegt die ärztliche Versorgungsquote in Hamm noch bei 90 Prozent. Laut Hensel existiert diese Zahl jedoch oft nur auf dem Papier. Einige der gelisteten Hausärzte arbeiten tatsächlich rein spezialisiert, beispielsweise als Schmerztherapeuten oder Psychotherapeuten. Er fordert von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, diesen realen Mangel offiziell anzuerkennen. Würde die offizielle Versorgungsquote auf 75 Prozent sinken, hätte Hamm Zugriff auf spezielle Landesförderprogramme, die neuen Ärzten finanzielle Sicherheiten bieten.
Durch Fördergelder könnten neue Ärzte nach Hamm gelockt werden
Um Gegenmaßnahmen auf den Weg zu bringen, fordert die CDU nun einen offiziellen Lagebericht der Stadtverwaltung für die nächste Ratssitzung. Dabei soll auch beleuchtet werden, wie die Stadt oder die Wirtschaftsförderung künftig besser bei der Suche nach Praxisräumen oder Baugrundstücken unterstützen können. Ein wichtiges Instrument gegen den Ärztemangel ist die sogenannte Sicherstellungsrichtlinie. Greift diese, bekommen neu niedergelassene Mediziner für die ersten zwei Jahre ihren Umsatz garantiert. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die offizielle Versorgungsquote zuvor durch die Kassenärztliche Vereinigung entsprechend herabgestuft wird.
Erste Erfolge in Hamm
Dass finanzielle Anreize funktionieren können, zeigen Nachbarstädte: Lüdinghausen und Warendorf zahlen neuen Ärzten Anschubfinanzierungen von 35.000 bis zu 75.000 Euro. In Hamm gibt es durch andere Maßnahmen ebenfalls erste Erfolge. Durch Aktionen wie das Famulaturcamp und Kooperationen mit örtlichen Krankenhäusern konnte zuletzt ein junger Arzt für eine Niederlassung in Heessen gewonnen werden.
Autor: Rainer Wilkes