
Cannabis-Bilanz in Hamm: Weniger Delikte
Polizei, Justiz und Verwaltung ziehen eine erste Zwischenbilanz zur Cannabis-Teillegalisierung. Die Zahlen für Hamm zeigen klare Veränderungen, werfen aber auch neue Fragen auf.
Veröffentlicht: Montag, 22.12.2025 14:24
Auswirkungen auf die Kriminalstatistik in Hamm
Die Teillegalisierung von Cannabis zeigt in Hamm deutliche Auswirkungen auf die Kriminalstatistik. Das geht aus dem aktuellen „Lagebild Rauschgiftkriminalität 2024“ der Polizei NRW sowie aus Zahlen der Polizei Hamm hervor. Nach Angaben der Polizei wurden im Jahr 2024 in Hamm 345 Cannabis-Delikte erfasst. Im Jahr zuvor waren es noch 538 Fälle. Das entspricht einem Rückgang von knapp 36 Prozent. Auch die Zahl der Tatverdächtigen ist deutlich gesunken: von 448 im Jahr 2023 auf 278 im Jahr 2024, ein Minus von fast 38 Prozent.
Cannabis- und Rauschgiftdelikte in Hamm
Die Polizei Hamm führt diesen Rückgang vor allem auf die neue Rechtslage zurück. Cannabis-Delikte hatten in den drei Jahren vor der Gesetzesänderung konstant zwischen rund 480 und 540 Fällen gelegen. 2024 liegen sie deutlich darunter. Gleichzeitig betont die Polizei auf Lippewelle-Anfrage, dass es weiterhin verstärkte Kontrollen an bekannten Brennpunkten sowie einen hohen Kontrolldruck im Bereich des Hauptbahnhofs gebe. Trotz sinkender Zahlen sei das sogenannte Dunkelfeld weiter aufgehellt worden. Nicht nur Cannabis-Delikte, sondern alle Rauschgiftdelikte sind in Hamm zurückgegangen. Insgesamt registrierte die Polizei 2024 671 Betäubungsmitteldelikte, im Vorjahr waren es noch 835: Ein Rückgang um knapp 20 Prozent.
Cannabis als Einstiegsdroge in Hamm?
Die Sorge, Cannabis könne verstärkt als Einstieg in härtere Drogen dienen, bestätigt sich in Hamm nur teilweise. Zwar gingen die Handelsdelikte mit Rauschgiften insgesamt zurück, bei Kokain und Crack verzeichnet die Polizei aber einen Anstieg: von 73 auf 85 Fälle. Handelsdelikte mit Heroin nahmen leicht ab, neue psychoaktive Stoffe blieben auf niedrigem Niveau stabil. Einen schweren Aspekt blendet die Statistik jedoch nicht aus: 2024 gab es in Hamm 16 Rauschgifttodesfälle, teilt die Polizei mit.
Wenig legaler Anbau in Hamm
Auch die Justiz spürt die Folgen der Gesetzesänderung. Das Amtsgericht Hamm berichtet von einem Rückgang der Verfahren, die auf den Besitz von Cannabis zurückgehen. Die inzwischen legalisierten Sachverhalte würden dort schlicht nicht mehr ankommen. Eine weitergehende Bewertung der langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen sei aus Sicht der Strafrichter derzeit jedoch noch nicht möglich. Beim legalen Anbau bleibt Hamm bislang zurückhaltend. Nach Auskunft der Bezirksregierung gibt es aktuell eine genehmigte Cannabis-Anbauvereinigung in der Stadt. Weitere Anträge liegen derzeit nicht vor.
Autorin: Lena Zaubzer