
Fahrschulen in Hamm leiden unter Reformplänen
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder will den Führerschein günstiger machen - doch in Hamm sind seitdem die Fahrschulen deutlich leerer. Seit November sind die Anmeldezahlen um 60 Prozent eingebrochen, weil viele Fahrschüler auf die Reform warten.
Veröffentlicht: Montag, 26.01.2026 06:13
Hammer Fahrschulen verzeichnen drastischen Rückgang
Die angekündigte Führerschein-Reform von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sorgt in Hamm für leere Fahrschulen. Seit Anfang November sind die Anmeldezahlen um etwa 60 Prozent zurückgegangen, berichtet Nico Westermann, der neue Sprecher der Hammer Fahrschulen. Viele potenzielle Fahrschüler warten ab, in der Hoffnung auf eine günstigere Fahrausbildung. Das Problem betrifft nicht nur Neuanmeldungen - selbst bereits angemeldete Fahrschüler unterbrechen ihre Ausbildung, um von möglichen Kostensenkungen zu profitieren.
"Die Hammer Fahrschulen leiden auf jeden Fall unter den Vorschlägen des Bundesverkehrsministers. Seit Anfang November berichten viele Fahrschulen, dass die Anmeldezahlen so um die 60 Prozent tatsächlich zurückgegangen sind. Das ist aber nicht das einzige Problem. Auch Fahrschülerinnen und Fahrschüler, die jetzt gerade schon in der Ausbildung sind, wollen auf einmal einen Ausbildungsstopp machen, in der Hoffnung, dass der Führerschein irgendwann vielleicht günstiger wird." - Nico Westermann, Sprecher der Hammer Fahrschulen
Reformpläne sehen digitale Lösungen vor
Minister Schnieder hatte im vergangenen Oktober umfassende Reformvorschläge für eine kostengünstigere Fahrausbildung vorgelegt. Derzeit kostet ein Pkw-Führerschein der Klasse B laut Ministerium durchschnittlich rund 3.400 Euro. Der Weg zum Führerschein solle einfacher und bezahlbarer werden, ohne dabei die Sicherheitsstandards zu senken, betonte Schnieder. Geplant sind Vereinfachungen und digitale Lösungen für theoretische und praktische Ausbildungsteile. So soll verstärkt der Einsatz von Simulatoren ermöglicht und die Anzahl verpflichtender Sonderfahrten wie Autobahnfahrten reduziert werden. Mobilität dürfe kein Privileg sein, argumentierte der Minister für seine Reformpläne.
Hammer Fahrschulen sehen Reformvorschläge kritisch
Die Fahrschulen in Hamm stehen den Reformplänen skeptisch gegenüber. Besonders der geplante vollständige Online-Theorieunterricht wird von Westermann kritisiert. Viele Themen könnten im Präsenzunterricht deutlich besser vermittelt werden, und ein besserer Lernerfolg sei gewährleistet. Auch der verstärkte Einsatz von Simulatoren erfordere weiterhin Räumlichkeiten, sodass die erhofften Kosteneinsparungen durch wegfallende Raummieten unrealistisch seien. Die Fahrschulräume müssten grundsätzlich bestehen bleiben, um die neue Technik unterbringen zu können.
"Wenn wir mal den Vorschlag nehmen, dass der Theorieunterricht vollumfänglich online stattfinden soll, um zum Beispiel Raummieten zu sparen, ist das nicht wirklich durchdacht. Zum einen gibt es natürlich Themen, die prinzipiell auch einfach im Präsenzunterricht viel besser zu verstehen sind und ein viel besserer Lernerfolg gewährleistet werden kann. Der Einsatz von Simulatoren muss gefördert werden, für die wir natürlich aber auch Platz brauchen. Das heißt also auch, dass der Fahrschulraum prinzipiell bestehen bleiben müsste." - Nico Westermann, Sprecher der Hammer Fahrschulen
Bedenken wegen Verkehrssicherheit in Hamm
Ein Hauptkritikpunkt der Hammer Fahrschulen betrifft die Verkehrssicherheit. Die Fahrlehrer können nicht nachvollziehen, wie durch eine verkürzte und stärker digitalisierte Ausbildung die Verkehrssicherheit gleichbleibend hoch oder sogar verbessert werden kann. Diese Bedenken sind vor dem Hintergrund der lokalen Verkehrssituation besonders relevant. Das Gesetzgebungsverfahren für die Reform soll laut Minister Schnieder bereits in diesem Frühjahr starten und dann schnell wirksam werden. Derzeit berät eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern über die konkreten Pläne.
"Ein Hauptkritikpunkt ist auf jeden Fall, dass wir Fahrlehrer nicht verstehen, wie durch eine verkürzte und digitalisierte Ausbildung die Verkehrssicherheit gleichbleibend beziehungsweise verbessert werden kann." - Nico Westermann, Sprecher der Hammer Fahrschulen
Autorin: Conny Kraft