
Fischotter kehrt nach über 70 Jahren nach Hamm zurück
Er galt in NRW als ausgestoben. Dennoch ist der Fischotter in die Hammer Lippeaue zurückgekehrt und folgt damit Biber und Weißstorch. Die "Biologische Station Soest" konnte durch ein spezielles Monitoring die dauerhafte Anwesenheit des größten heimischen Marders bestätigen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.02.2026 08:53
Fischotter: Erfolgreicher Nachweis in Hamms Naturschutzgebieten
Der Natur- und Artenschutz in Hamm verzeichnet einen weiteren Erfolg: Der Fischotter ist in die Lippeaue zurückgekehrt. In Nordrhein-Westfalen galt die Art seit den 1950er-Jahren als ausgestorben. Erst ab 2009 gelangen im westlichen Münsterland wieder erste Nachweise. Inzwischen breitet sich der bis zu 1,20 Meter lange Marder weiter aus und erschließt zunehmend neue Lebensräume. Dank seines dichten, wasserabweisenden Fells, seines kräftigen Körperbaus und der Schwimmhäute an allen vier Pfoten ist der Fischotter optimal an ein Leben im Wasser und an Uferzonen angepasst.
Die Naturschutzgebiete in der östlichen Lippeaue werden im Auftrag des Umweltamtes der Stadt Hamm von Christian Härting und Patrick Hundorf von der Biologischen Station Soest betreut. Nachdem es konkrete Hinweise auf ein mögliches Vorkommen gegeben hatte, starteten sie ein standardisiertes Monitoring zur Bestandsüberprüfung. Eine Herausforderung, denn Fischotter leben äußerst zurückgezogen. Als Einzelgänger sind sie überwiegend nachts unterwegs und legen dabei teils weite Strecken entlang von Gewässern zurück. Direkte Beobachtungen sind daher nur selten möglich.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Fischotter ganzjährig die Lippe im Stadtgebiet Hamm besiedelt und es sich nicht nur um ein durchziehendes Tier handelt." - Christian Härting, Biologische Station Soest
Spezielle Nachweismethoden entlang der Lippe in Hamm
Entscheidende Hinweise liefern typische Spuren: Zur Reviermarkierung und zur Verständigung mit Artgenossen platzieren Fischotter ihre sogenannte Losung gut sichtbar an markanten Punkten wie Ufern, Steinen oder Baumstümpfen. Im Rahmen des Monitorings wurden solche Stellen systematisch kontrolliert und regelmäßig auf Losung sowie Trittsiegel überprüft. Zusätzlich bestätigte eine installierte Fotofalle die dauerhafte Anwesenheit mindestens eines Tieres. Wie viele Individuen sich aktuell in der Lippeaue aufhalten, ist bislang noch unklar. Hierfür soll das Monitoring fortgesetzt werden.
"Leider wissen wir noch nicht genug über den Fischotter. Bekannt ist, dass er überwiegend Fische mit bis zu 20 Zentimetern Länge bevorzugt. Umso schöner, dass die invasive Grundel nun wieder einen natürlichen Fressfeind mehr hat." - Dirk Bergmeier, Fischereiberater der Stadt Hamm
Erfolg der Naturschutzarbeit in Hamm wird sichtbar
Die Rückkehr des Fischotters unterstreicht die Wirkung der Naturschutzmaßnahmen der vergangenen rund 20 Jahre in Hamm. Entlang der Lippe wurden im Rahmen zweier LIFE-Projekte sowie durch den „Erlebensraum Lippeaue“ zahlreiche naturnahe Strukturen wiederhergestellt. Bereits seit etwa 15 Jahren ist auch der Biber wieder in Hamm heimisch. Mit seiner Bautätigkeit prägt er Gewässer nachhaltig und schafft vielfältige Lebensräume, die dem Fischotter und vielen weiteren Arten zugutekommen. Nach Biber und Weißstorch ist nun auch der Fischotter ein sichtbares Zeichen für die positive Entwicklung des Naturschutzes in der Lippeaue.
"Die Anwesenheit des Fischotters zeigt den Erfolg der intensiven Naturschutzarbeit der vergangenen 20 Jahre in Hamm. [...] Biber gestalten die Landschaft durch ihre Bautätigkeiten enorm und schaffen so strukturreiche Gewässer, die dem Otter, aber auch vielen anderen Arten, Nahrung und Schutz bieten." - Jessica Dieckmann, Biberbeauftragte und Mitarbeiterin des Umweltamtes Hamm
Schon etwas länger, seit rund 10 Jahren, ist auch der Biber wieder in Hamm, vor allem im Bereich der östlichen Lippeauen.
Autor: Robin Linnemann