
Gewalt im Zugverkehr kennen auch die Mitarbeiter aus Hamm
Nach dem gewaltsamen Tod des Zugbegleiters Serkan Çalar vor wenigen Tagen äußerten sich auch Beschäftigte der Bahn aus Hamm zur Sicherheitslage in den Bahnen. Auch die Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) sowie der Betriebsräte wissen, dass es sich bei dem Vorfall nur um die Spitze des Eisbergs handelte.
Veröffentlicht: Mittwoch, 11.02.2026 09:15
So steht es in Hamm und der Welt um die Sicherheit in der Bahn
Schon seit vielen Jahren gibt es die gewaltsamen Übergriffe auf Mitarbeitende der Deutschen Bahn. Der aktuellste Vorfall bildete nun die "Spitze des Eisbergs", wie Jörg Hensel, Vorsitzender des Ortsverbandes Hamm-Bielefeld der EVG, weiß. Das Thema Gewalt begegne neben Kontrolleuren auch beispielsweise Busfahrern und Reinigungskräften. Die Hemmschwelle zur Gewalt sinke kontinuierlich. Die Deutsche Bahn verzeichnete laut Sabine Kauer, Geschäftsstellenleiterin der EVG, 2025 insgesamt über 3 000 gemeldete Übergriffe - Eine Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2014. Die Zahl beinhaltet allerdings nur die besonders schwerwiegenden Übergriffe. Die DB-Regio hat für das Jahr 2025 Zahlen, die unter anderem auch Fälle von Beleidigungen oder sexuellen Belästigungen einschließen - und kommt damit auf 14 101 Übergriffe.
Übergriffe wirken sich auch auf Betroffene in Hamm stark aus
Übergriffe jeglicher Art wirken sich stark auf die Psyche der Mitarbeiter und teilweise auch deren Familien aus. Während die Betroffenen oft noch lange mit den Erlebnissen zu kämpfen haben, sind sie in der breiten Öffentlichkeit schnell wieder vergessen. Die Mitarbeiter können einen Übergriff auch nicht voraussehen, die Täter kommen nämlich aus jeder Bevölkerungs- und Altersgruppe. Handgreifliche Überfälle sind auch für die Hammer Kundenbetreuer in den Bahnen keine Seltenheit.
"Anspucken und Beschimpfen gehört mittlerweile schon zum guten Ton. Das Verbale prallt an uns ab, aber wenn es richtig körperlich wird, ist es nochmal eine ganz andere Sache." - Anja Andrä, Kundenbetreuerin der Eurobahn
Das fordern die Betroffenen aus Hamm
Die Betroffenen fordern nun, dass etwas passieren muss. Es brauche ein Sicherheitskonzept, dass im Alltag auch zum Einsatz kommt. Die Mitarbeiter aus Hamm wünschen sich insbesondere eine Doppelbesetzung in den Zügen. Sie sprechen auch über Bodycams, die bereits eingesetzt werden, allerdings im Konfliktfall erst noch angeschaltet werden müssen. Über die Aktivierung muss der Mitarbeiter dann auch zusätzlich sein Gegenüber informieren. Oft passieren die Übergriffe so schnell, dass die Mitarbeiter entweder nicht mehr die Gelegenheit haben, die Kamera noch einzuschalten oder so schockiert sind, dass sie nicht mehr klar daran denken können. Die Kameras sollten daher vielmehr durchgehend laufen dürfen. Wichtig wäre es nun, dass die Arbeitgeber ihrer Fürsorgepflicht nachkommen - Was aus Sicht der EVG aktuell nicht der Fall ist. Es gäbe bereits ein Deeskalationstraining für Mitarbeiter. Dieses ist allerdings nicht immer bei allen Menschen effektiv.
Autorin: Louisa Ahlers