
Grundsteuer in Hamm: Wohnen wird teurer
Eigenheimbesitzer in Hamm müssen sich auf höhere Kosten einstellen. Die Stadt kehrt nach juristischem Streit um verschiedene Hebesätze für Wohngebäude und Gewerbeflächen zu einheitlichen Abgaben zurück. Im Schnitt fallen pro Einfamilienhaus knapp 100 Euro mehr pro Jahr an.
Veröffentlicht: Freitag, 13.03.2026 05:19
Umverteilung von Grundsteuer in Hamm: Stadt muss handeln
In Hamm müssen alle Grundstücksinhaber wohl bald wieder nach einem einheitlichen Hebesatz besteuert werden. Der Rat der Stadt soll nach Vorschlägen von Kämmerer Markus Kreuz ein neues Modell zur rechtlich einwandfreien Berechnung der Grundsteuer auf den Weg bringen. Aktuell werden Wohngrundstücke und Gewerbeflächen unterschiedlich besteuert. Zu dieser Praxis hatten mehrere Verwaltungsgerichte geurteilt, dass sie in dieser Form nicht anwendbar sei. Da es kein einheitliches Vorgehen in den Kommunen im Land gibt, geht die Stadt Hamm nun auf Nummer Sicher und kehrt zum vorherigen Modell der einheitlichen Besteuerung zurück. Rund 55.000 Grundsteuerbescheide in Hamm müssen nun neu verschickt und die damit verbundenen Steuern rückwirkend zum 01. Januar 2026 berechnet werden. Die Stadt wehrt sich allerdings gegen Vorwürfe, sich an der Grundsteuer zu bereichern.
"Das ist totaler Unsinn. Wir nehmen genau die gleiche Grundsteuersumme ein, die wir 2024 eingenommen haben. Wir verzichten sogar seit 2024 auf Steigerungen, die möglich gewesen wären. Da stehen wir zu, das halten wir auch für richtig, damit sehr klar ist: Wir bereichern uns nicht an der Grundsteuer." - Markus Kreuz, Stadtkämmerer der Stadt Hamm
Wohngebäudeinhaber in Hamm zahlen ab sofort mehr Grundsteuer B
In Hamm gibt es etwa 50.000 Wohngrundstücke, die im Rahmen der Grundsteuerreform eine neue Steuererklärung abgeben mussten und anschließend neu bewertet wurden. Für viele Eigentümer, die wegen veralteter Werte bisher viel Geld gespart hatten, bedeutete die Neubewertung eine massive Steuererhöhung. Mit dem neuen Modell könnte die Grundsteuer B in Hamm für Wohngebäude nun ein weiteres Mal steigen. Durch die einheitliche Besteuerung von Wohn- und Geschäftsflächen fällt die bisherige Begünstigung weg. Alle Grundstücksinhaber in Hamm müssen nun den selben Hebesatz zahlen. Dieser liegt nach der Umstellung bei 834%, was für ein durchschnittliches Einfamilienhaus etwa 100 Euro mehr pro Jahr bedeutet. Insgesamt werden Besitzer von Wohngebäuden in Hamm mit 5,3 Millionen Euro im Vergleich zur Situation vor der Reform mehr belastet.
Gewerbetreibende in Hamm sparen Geld bei der Grundsteuer B
Die Stadt Hamm betont, dass das neue Grundsteuermodell aufkommensneutral sei. Das bedeute, dass die Stadt die Abgaben lediglich umverteilt und daran selbst nichts verdiene. Während Wohngebäudeinhaber bisher deutlich bevorteiligt wurden, werden Gewerbetreibende nun im Rahmen der Umverteilung entlastet. Denn der neue Hebesatz der Grundsteuer B in Höhe von 834% gilt ebenfalls für diese Grundstücke und stellt eine deutliche Reduzierung dar. So spart ein durchschnittlicher Betrieb in Hamm etwa 2200 Euro an Grundsteuer pro Jahr, so die Berechnung.
Stadt Hamm verdient keinen Cent an neuem Steuermodell
Oberbürgermeister Marc Herter betont, dass die Stadt keine Verantwortung für die Umverteilung der Steuerlast übernehme. Man habe stets versucht, mit der Landesregierung ins Gespräch zu gehen und eine gute Lösung zu finden - insbesondere, um Wohngebäudebesitzer zu entlasten. Der Effekt nun:
"Steuerzahler müssen es anderen Steuerzahlern zurückzahlen. Die Stadt verteilt die Steuerlast nur und verdient daran selbst keinen Cent." - Marc Herter, Oberbürgermeister der Stadt Hamm
Die neuen Grundsteuerbescheide werden am 24.04.2026 an die Grundstücksbesitzer in Hamm verschickt. Vermieter dürfen gestiegene Abgaben über die Nebenkosten an ihre Mieter weitergeben. Die Stadt betont, dass nur die Grundsteuerhebesätze angepasst werden. Kosten wie Abwasser und Müllgebühren bleiben unverändert. Erhöhungen bei Wohngebäudeinhabern werden über die Zahlungstermine im laufenden Jahr verteilt, sodass keine höhere Summe auf einmal fällig wird, heißt es.
Appell an Landesregierung: Verantwortung übernehmen
Die Stadt Hamm hofft, langfristig eine einheitliche und landesweite Lösung für die Grundsteuer zu finden, die auch vor Verwaltungsgerichten Bestand hat. In einem Brief an NRW-Ministerpräsident Wüst fordern Stadtkämmerer Markus Kreuz und Oberbürgermeister Marc Herter die Landesregierung auf, die Verantwortung für die aktuelle Situation zu übernehmen. Sie wünschen sich eine Bürgschaft für mögliche Einnahmeausfälle sowie eine rechtssichere Formulierung landesweit einheitlicher Standards für die Bemessung der Grundsteuer.
Autor: Simon Brinkmann