
Hamm: ADFC kritisiert Straßen.NRW nach Todesfall
Der ADFC Hamm wirft Straßen.NRW vor, Sicherheitsmaßnahmen an der gefährlichen L881 zu verweigern. Nach einem tödlichen Unfall (Foto: Mahnwache an der Unfallstelle) fordert der Fahrradclub Tempo 50 und geschützte Radwege.
Veröffentlicht: Montag, 02.03.2026 12:03
Hamm: Heftige Kritik an Straßen.NRW nach tödlichem Unfall
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Hamm geht scharf mit der Landesbehörde Straßen.NRW ins Gericht. In einem offenen Brief an Verkehrsminister Oliver Krischer wirft der Verband der Behörde vor, elementare Sicherheitsmaßnahmen an der L881 (Fangstraße) zu verweigern. Die Verbindung zwischen den Hammer Ortsteilen Herringen und Pelkum sei nach einem tödlichen Unfall zu einer "Todesstrecke" geworden. Straßen.NRW rechtfertige die Beibehaltung des gefährlichen Zustands mit dem Argument des ungestörten Verkehrsflusses. Der ADFC spricht von einem "Schlag ins Gesicht der Angehörigen und aller, die dort täglich um ihr Leben bangen".
Fangstraße in Hamm: Schulweg wird zur Rennstrecke
Die L881 zwischen Herringen und Pelkum gilt als besonders gefährlich für Radfahrer und Fußgänger. Die schnurgerade Strecke mit einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h und überbreiter Fahrbahn verleite Autofahrer zu hohen Geschwindigkeiten. Gleichzeitig nutzen zahlreiche Schülerinnen und Schüler die Fangstraße als Schulweg zur Gesamtschule in Herringen. Für Radfahrer ist sie die einzige Verbindung zwischen den beiden Ortsteilen. Wegen des fehlenden Radwegs seien Radfahrer gezwungen, den maroden und zu schmalen Seitenstreifen zu nutzen, so der ADFC. Parkende Fahrzeuge blockierten diesen regelmäßig und zwängen Radfahrer in den 70-km/h-Schnellverkehr.
Hammer Politik fordert Tempo 50 - Straßen.NRW lehnt ab
CDU und SPD hatten in der Bezirksvertretung Herringen Anträge auf Einführung von Tempo 50 und den Bau eines Radweges gestellt. Straßen.NRW lehnte diese jedoch ab mit der Begründung, eine Temporeduzierung wäre im Hinblick auf die "straßenrechtliche Funktion unverhältnismäßig". Ein tödlicher Unfall sei kein ausreichender Grund für eine Geschwindigkeitsreduzierung, da dies den Verkehrsfluss beeinträchtige. Die Behörde verwies zudem auf einen vorhandenen Gehweg, den sie als "verkehrssicher" bezeichnete. Der ADFC kritisiert diese Haltung als "Zynismus statt Gefahrenabwehr" und "fachliche Ignoranz". Der Verband fordert als Sofortmaßnahmen Tempo 50 und die Umwandlung der überbreiten Fahrbahn in geschützte Radverkehrsanlagen.
ADFC Hamm: "Vision Zero" darf keine leere Worthülse bleiben
Der ADFC Hamm sieht in der Haltung von Straßen.NRW einen krassen Widerspruch zu den erklärten Zielen einer echten Verkehrswende. Die Behörde argumentiere noch immer im Geist der 1970er Jahre, kritisiert der Fahrradclub. Von einem grünen Verkehrsminister erwarte man, dass "Vision Zero" in Nordrhein-Westfalen keine leere Worthülse bleibe. Konkret fordert der ADFC ERA-konforme Radfahrstreifen auf der überbreiten Fahrbahn, die das gefährliche Parken auf dem Randstreifen beenden und die Fahrbahn optisch verengen würden. Langfristig müsse ein baulich getrennter Radweg geplant werden. Der Verband lädt Minister Krischer ein, sich vor Ort ein Bild von der Situation zu machen.