
Klimawandel & Dürre in Hamm - vom Regen nicht weggewaschen
In ganz Europa und auch bei uns in der Region brennen aktuell Wälder, die Hitzeperiode und extreme Dürre des Sommers macht sich bemerkbar. Aber wie sieht die Situation bei uns in Hamm aus?
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Eine grobe Übersicht für Hamm
Der Juli war 2026 in der Emscher-Lippe-Region und somit auch in Hamm der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1931, berichten die Emschergenossenschaft und der Lippeverband. Der Wasserstand ist zwar auch sommerlich niedrig, erreicht aber noch keine kritischen Werte, der Schiffsverkehr ist also noch stabil. Allerdings machen sich Wassermangel und Trockenheit an anderer Stelle bemerkbar. In der Landwirtschaft und Viehwirtschaft stellt das Hammer Bauern vor Herausforderungen. Außerdem leider Stadtbäume unter Wassermangel und werfen bereits frühzeitig ihre Blätter ab. In Hamms Wäldern steht es schlecht um die heimischen Baumarten.
Ernte in Hamm dieses Jahr früher
Wegen fehlender Niederschläge läuft die Ernte von Getreide, Raps und Mais in diesem Jahr in Hamm 14 Tage früher als im Normalfall. Nach Angaben des landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe rechnen viele Betriebe beim Mais mit einem Start spätestens Ende August und Anfang September. Landwirtesprecher Thomas Döring sagt, beim Getreide sei die Region mit einem "blauen Auge davongekommen" und dem Mais könne der aktuelle Regen diese Woche noch helfen, so dass knapp durchschnittliche Erträge möglich seien.
Beispiel Bioland-Hof Damberg passt sich an
Landwirt Harald Haun vom Bioland-Hof Damberg in Westtünnen hat seinen Betrieb aufgrund der schlechteren Erträge durch die Hitze der letzten Sommer bereits angepasst. Er ist vom Anbau von Weizen und Ackerbohnen, die viel Wasser brauchen, beispielsweise auf den Anbau von Hafer, Roggen und Dinkel gewechselt.
"Die brauchen weniger Wasser und kommen mit der Dürre ganz gut klar. Wir haben einfach leichte Böden hier die das Wasser nicht halten." - Harald haun vom Bioland-Hof Damberg
Hierdurch sei er mit der diesjährigen durchschnittlichen Ernte "unter den gegebenen Umständen zufrieden". Im Gegensatz zu manchen Hammer Kollegen hätten sie für ihre Tiere auch noch genügend Futterreserven, mit denen sie über die Zeit hinweg kämen und nichts zukaufen müssten. Laut Haun handle es sich bei dem aktuellen Regen aber nur um einen "Tropfen auf den heißen Stein", es sei deutlich mehr Regen nötig.
Wälder in Hamm leiden unter der Hitze
Aufgrund des heißen Sommers seien die Hammer Wälder gestresst, es gibt einen vorgezogenen Herbst und die Bäume werfen teilweise schon ihr Laub ab, erzählt Jonah Fels. Dadurch gibt es weniger Zuwachs der Bäume. Fels ist seit Mai Revierförster für Hamm und Bergkamen. Durch Stress seien die Bäume zusätzlich anfälliger für Krankheiten und Schädlinge, wie beispielsweise den Borkenkäfer. Auch viele Wasserquellen für Wildtiere fallen trocken. Durch die Hitze dieses Sommers habe die Waldbrandgefahr außerdem in der letzten Woche in Hammer Wäldern die Stufe 4 von 5 erreicht, so Fels. Er ruft die Bürger dazu auf, sich im Wald umsichtig zu verhalten und beispielsweise keine Zigarettenstummel wegzuwerfen.
Umstrukturierung Hamms Wälder soll zukünftig helfen
Hamms Wäldern hätten an vielen Standort eine stauende Bodenschicht, weshalb die Böden schon relativ gut Wasser speichern könnten, so Jonah Fels. Wenn dann allerdings über eine lange Zeit wie diesen Sommer das Wasser ausbleibt, fallen auch diese Schichten trocken. Da die Bäume hieran nicht gewöhnt sind, werde das dann trotzdem problematisch.
"Kleine kurze Schauer bringen uns im Wald leider nicht viel, weil das Wasser gar nicht am Boden ankommt. Gerade die tiefen wichtigen Bodenschichten werden nicht wieder aufgefüllt." - Jonah Fels, Revierförster für Hamm & Bergkamen
Zu bewässern sei nicht umsetzbar, da seien sie recht "hilflos". Um die Wälder klimaresistenter zu machen, werden allerdings nach und nach aktiv die Wälder umgebaut, da der Klimawandel schneller sei als die natürliche Anpassung der Natur. Eher südliche Bäume wie die Roteiche oder die Esskastanie werden gepflanzt, da sie die Trockenheit und Hitze besser aushalten, so Fels.
Hamms Grün steht vor Problemen
Auch bei den Städtischen Grünflächen und Bäumen stellt Hartmut Sonderhüsken vom Städtischen Grünflächenamt Symptome der Dürre fest. In diesem Jahr sei es besonders extrem, da der Niederschlag ausgeblieben ist. Er rechnet noch mit Verlust im Baumbestand. Zur Bewässerung aller Grünflächen sowie aller Stadtbäume seien nicht genügend Kapazitäten vorhanden, das funktioniere nur über den natürlichen Niederschlag und das Grundwasser.
"Bei alten Bäumen reden wir von mehreren hundert bis tausend Litern die die teilweise täglich verdunsten, da hat man keine Chance das manuell auszugleichen." - Hartmut Sonderhüsken vom Hammer Grünflächenamt
Neu gepflanzte Bäume werden drei Jahre lang gegossen. Außerdem gibt es an vereinzelten Stellen Feuchtesensoren, seit zwei Jahren zum Beispiel im Kurpark. Sie geben Informationen darüber, wie die aktuelle Wasserversorgung ist. Im Jahr 2026 gab es mehrfach Warnhinweise, im letzten Jahr gar nicht, so Sonderhüsken.
Diese Maßnahmen unternimmt das Grünflächenamt Hamm
Die jungen Bäume die gegossen werden, verfügen über so genannte Gießringe, damit das Wasser wirklich am Baum versickert. Während Hitzeperioden wird zusätzlich vermehrt gegossen. Rasen- und Grünflächen zu bewässern sei aber nicht umsetzbar. Ähnlich wie in Hamms Wäldern werden außerdem seit einigen Jahren hitzeresistentere Baumarten gepflanzt. Zukünftig sollen Jungbäume außerdem eventuell bis zu fünf Jahre lang gewässert werden. Hierbei können Bürger auch mithelfen und Gießpaten werden. Dazu muss man sich lediglich beim Grünflächenamt melden um einen kostenlosen Bewässerungssack zu beantragen. Der kann dann privat gefüllt werden. Vorher muss allerdings einmal der Baum geprüft werden, da das Volumen der Gießsäcke nicht jedem Baum wirklich helfen kann.
Hitzeaktionsplan seit 2026
Im März diesen Jahres hat der Rat der Stadt Hamm neu den so genannten "Hitzeaktionsplan" (HAP) beschlossen. Er soll auf die immer heißeren Temperaturen reagieren. "Als überlebenswichtiger Schutzschirm unserer Gemeinschaft" soll er die Gesundheit der Hammer Bürger schützen und eine angepasste, kühlende Infrastruktur schaffen. Ein überwiegender Teil des HAP fokussiert sich auf die gesundheitlichen Aspekte besonders gefährdeter Gruppen, wie zum Beispiel älterer Menschen. Es wurden aber auch Maßnahmen beschlossen, die die Umwelt schützen und den Klimawandel bekämpfen sollen. Beispielsweise soll das Schwammstadtprinzip ausgebaut werden, um Wasser in der Stadt zu halten; es sollen Flächen entsiegelt werden, bestehende Grünflächen geschützt und mehr neu gepflanzt werden und Fassaden und Dächer begrünt werden. Bei vielem handelt es sich allerdings um längerfristig angelegte Maßnahmen, die Zeit brauchen um umgesetzt zu werden.