
Kommt die Kaserne nach Hamm zurück? Bundeswehr prüft
Die Bundeswehr prüft die Reaktivierung zweier ehemaliger Militärstandorte in Hamm - darunter die Anlage am St.-Georgs-Platz und das Munitionsdepot in Heessen. Die Stadt Hamm erfuhr erst durch Medienberichte von den Plänen des Verteidigungsministeriums.
Veröffentlicht: Donnerstag, 30.10.2025 12:03
Bundeswehr nimmt Militärstandorte in Hamm ins Visier
Die Bedrohungslage durch Russland zwingt die Bundeswehr zum Umdenken: Statt weitere Kasernen zu schließen und zu verkaufen, prüft das Verteidigungsministerium nun die Reaktivierung ehemaliger Militärstandorte. In Hamm stehen zwei Objekte auf der bundesweiten Liste von 187 früheren Militärobjekten, die eigentlich zivil genutzt und verkauft werden sollten. Betroffen sind die ZUE-Anlage am St.-Georgs-Platz im Hammer Osten und das seit 2010 leerstehende Munitionsdepot in Heessen. Die veränderte Sicherheitslage erfordert laut Ministerium eine Neubewertung des Kasernenbedarfs. Während das Munitionsdepot bereits leersteht und ein geplanter Verkauf bisher scheiterte, ist die Situation am St.-Georgs-Platz komplexer.
Hammer Stadtverwaltung von Bundeswehrplänen überrascht
Die Nachricht über die mögliche militärische Reaktivierung traf die Stadt Hamm völlig unvorbereitet. Wie aus einer Recherche des Westfälischen Anzeigers hervorgeht, erfuhren die Stadtverwaltung und andere Betroffene erst aus den Medien von den Plänen des Verteidigungsministeriums. Die Stadt hatte bereits konkrete Vorstellungen für das Areal am St.-Georgs-Platz entwickelt: Ein Rahmenplan sieht dort ein Neubaugebiet mit 155 Wohneinheiten vor. Diese Planungen kollidieren nun möglicherweise mit den militärischen Interessen. Neben der ZUE befinden sich auf dem Gelände auch das Bundesverwaltungsamt und der Zoll, beide Behörden möchten ihre Standorte beibehalten.
Historische Bedeutung der Dannevoux-Kaserne in Hamm
Die Anlage am St.-Georgs-Platz blickt auf eine bewegte militärische Vergangenheit zurück. Bereits 1935 wurde sie als Dannevoux-Kaserne errichtet und diente zunächst der deutschen Wehrmacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm die britische Rheinarmee das Gelände und nutzte es als Newcastle Barracks. Zusätzlich entstand dort die Windsor Girls School für die Kinder britischer Militärangehöriger. Diese internationale militärische Nutzung prägte über Jahrzehnte das Bild des Stadtteils. Heute beherbergt die Anlage zivile Einrichtungen, doch die militärische Infrastruktur ist grundsätzlich noch vorhanden.
Munitionsdepot Heessen als einfachere Lösung
Das ehemalige Munitionsdepot in Heessen könnte deutlich unkomplizierter wieder militärisch genutzt werden als die ZUE-Anlage. Seit der Schließung im Jahr 2010 steht das Gelände leer, mehrere geplante Verkäufe an private Investoren scheiterten bisher. Anders als am St.-Georgs-Platz gibt es hier keine konkurrierenden zivilen Nutzungen oder feste Bebauungspläne. Die vorhandene Infrastruktur könnte mit überschaubarem Aufwand wieder militärischen Zwecken zugeführt werden. Ob und wann eine endgültige Entscheidung über die Reaktivierung beider Standorte fällt, ist derzeit noch offen.
Autor: Robin Linnemann