
Maulwurf-Invasion in Hamm ist gutes Zeichen
Die Maulwürfe in Hamm sind zur Zeit besonders aktiv- auch im Kurpark sind Erdhaufen zu sehen. Die Stadt wertet das als gutes Zeichen.
Veröffentlicht: Dienstag, 24.02.2026 07:02
Hamm: Maulwürfe zeigen gesunde Böden im Kurpark
Wer derzeit durch Hamm spaziert, sieht überall Maulwurfshügel, auch im Kurpark. Die Aktivität der Maulwürfe scheint aktuell besonders hoch zu sein - doch die Stadt Hamm sieht darin keineswegs ein Problem. Im Gegenteil: Das vermehrte Aufkommen der geschützten Tiere wird als positives Zeichen für die Bodenqualität gewertet. Maulwürfe sind sehr empfindlich gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen und auf ein gesundes Bodenleben angewiesen, da sie sich als Fleischfresser hauptsächlich von Bodenlebewesen wie Regenwürmern und anderen Insekten ernähren. Eine hohe Anzahl von Maulwürfen ist daher ein verlässlicher Indikator für aktives Bodenleben und gesunde Böden.
Erfolgsmeldung für Hamms Grünflächenpflege
Die Stadt Hamm wertet das hohe Maulwurfaufkommen im Kurpark als direkten Erfolg der seit einigen Jahren durchgeführten Maßnahmen zur Verbesserung der Bodenstruktur. Diese Aktivitäten zielen darauf ab, das Bodenleben zu fördern und damit den Baumbestand zu stärken, der durch die Klimaveränderungen stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Tatsache, dass dies auf Kosten einer makellosen Grasnarbe geht, nimmt die Stadt bewusst in Kauf. Ein gesunder Baumbestand besitzt eine deutlich höhere Wertigkeit als ein perfekt gepflegter Rasen. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: Wo Maulwürfe aktiv sind, ist das Bodenleben intakt und die Bäume profitieren von besseren Wachstumsbedingungen.
Artenschutz hat Vorrang in Hamm
Bekämpfungsmaßnahmen gegen Maulwürfe sind grundsätzlich nicht zulässig, da die Tiere zu Recht unter Artenschutz stehen. Die Stadt Hamm wendet im öffentlichen Grün selbstverständlich keine Bekämpfungs- oder Vergrämungsmaßnahmen an. Chemische, bauliche oder akustische Hilfsmittel kommen nicht zum Einsatz, da sie bei der Größe der städtischen Flächen weder wirtschaftlich noch fachlich sinnvoll wären. Zudem ist die Wirksamkeit dieser Mittel oft fragwürdig. Eine aktuelle Ausnahme bildet ein Versuchsprojekt am Sportplatz Im Giesendahl in Uentrop, wo eine umlaufende Maulwurfssperre errichtet wird. Hier soll getestet werden, ob damit die Maulwürfe von der Sportrasenfläche ferngehalten werden können - für Sportrasen gelten wegen möglicher Verletzungsgefahren andere Voraussetzungen.
Ruhe lockt Maulwürfe nach Hamm
Die derzeit besonders hohe Maulwurfaktivität hat auch saisonale Gründe. Maulwürfe sind sehr geräuschempfindlich und nutzen aktuell die ruhige Winterzeit, um ihr unterirdisches Gangsystem auszubauen und auszubessern. Dies führt zu erhöhter Grabetätigkeit gerade im zeitigen Frühjahr. Sobald ab dem Frühjahr die Rasenflächen wieder regelmäßig gemäht werden und durch vermehrte Besucher der Grünanlagen mehr Geräusche entstehen, ziehen sich die Maulwürfe in der Regel von alleine in angrenzende ruhigere Zonen zurück. Für Privatleute gibt es keine allgemeingültigen Ratschläge - Maulwürfe sind geschützte und für den Naturhaushalt wichtige Lebewesen, die man nach Möglichkeit gewähren lassen sollte.
Tierpark Hamm: Wenig Maulwürfe durch viel Bewegung
Interessant ist die Situation im Tierpark Hamm. Obwohl auch hier viele freie Flächen vorhanden sind, spielt der Maulwurf nur eine untergeordnete Rolle. Tierpark-Sprecherin Verena Siewert erklärt das Phänomen: Der Park hat wenig Maulwürfe, weil hier immer viel Bewegung herrscht - durch Fahrzeuge, Besucher und natürlich die Tiere selbst. Wo eine Antilope oder ein Wasserbock hintritt, zieht sich der scheue Maulwurf eher zurück. Eine Ausnahme bildet das Känguru-Gehege, möglicherweise aufgrund der benachbarten Kleingartenanlage. Dort wechselt der Maulwurf hin und her - besonders wenn die Kleingärtner ihren Maulwurfschreck mit unangenehmen Tönen einsetzen.
Autor: Rainer Wilkes