
Nacht im Tierpark Hamm: So lernen Besucher über Artensterben
Eine gemeinsame Studie der Goethe-Universität Frankfurt und des Tierparks Hamm zeigt: Die Nachtführungen vermitteln nicht nur ein besonderes Erlebnis, sondern auch echtes Wissen über den Verlust der biologischen Vielfalt. Die Forschungsergebnisse sind jetzt im Fachjournal Environmental Education Research veröffentlicht worden.
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Nachtführung im Hammer Süden als Forschungsobjekt
Von April bis Oktober 2025 haben Forscher der Abteilung Biodidaktik und Zootierbiologie die 2,5-stündigen Nachtführungen im Tierpark Hamm genauer unter die Lupe genommen. Bei diesen Führungen im Schein der Taschenlampe erleben Besucher nachtaktive Tiere wie Stachelschweine, Schneeeulen oder den Fossa. Im Mittelpunkt der Untersuchung stand eine große Frage: Warum geht die Vielfalt des Lebens auf der Erde weltweit verloren? An ausgewählten Tierarten wurden den Teilnehmern verschiedene Ursachen des Biodiversitätsverlusts erklärt, verknüpft mit der Rolle von zoologischen Einrichtungen im Arten- und Naturschutz.
Mehr Wissen direkt nach der Führung
Die Ergebnisse fallen positiv aus: Direkt nach der Nachtführung konnten die Teilnehmenden mehr Ursachen für den Verlust der biologischen Vielfalt benennen als vorher. Gleichzeitig ist auch das Interesse am Artenschutz gestiegen. Bei einer Nachbefragung rund vier Wochen später deutete sich zudem eine positivere Verbundenheit mit der Natur an. Allerdings zeigt die Studie auch: Nicht alle kurzfristigen Effekte halten sich langfristig.
„Der Biodiversitätsverlust ist ein ernstes Thema, das mehr Aufmerksamkeit verdient." - Viktoria Feucht, Erstautorin der Studie
Für Viktoria Feucht, die Erstautorin der Studie, steckt hinter dem Thema mehr als nur trockene Wissenschaft. Aus ihrer Sicht schwinden Arten oft still und unbemerkt um uns herum, ohne dass es auffällt. Genau deshalb sei es wichtig, den Menschen zu zeigen, was da eigentlich passiert und dass der Mensch selbst einen erheblichen Anteil daran hat.
Zooschule Hamm sieht sich bestätigt
Auch für die Zooschule im Tierpark Hamm ist das Ergebnis eine gute Nachricht. Die Studie unterstreicht, dass zoologische Einrichtungen als außerschulische Lernorte eine wichtige Rolle spielen können. Die unmittelbare Begegnung mit echten Tieren macht komplexe Themen wie Artensterben und Naturschutz greifbar und verbindet sie mit konkreten Handlungsmöglichkeiten.
„Es ist schön zu sehen, dass wir unseren Teilnehmern bei einer Führung wirklich Wissen vermitteln und einen Mehrwert mitgeben können und sie nicht nur einen schönen Abend im Tierpark hatten." - Felicitas Schulte, Leiterin der Zooschule Tierpark Hamm
Weil sich nicht alle Effekte von Dauer erweisen, sehen die Forscher vor allem in regelmäßigen Bildungsangeboten einen Schlüssel: Sie können immer wieder neue Impulse für Natur- und Artenschutz setzen, statt nur einmalig Wissen zu vermitteln.
Autor: Robin Linnemann