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Pfadfinder, Glaube und Missbrauch: „Wieso mache ich das noch mal?"
© Lippewelle/ Schula
Pia Schürmann spricht in unserem Podcast über Ehrenamt, Glaube, Missbrauch und die Frage: Was macht Pfadfindersein eigentlich aus?
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Pfadfinder, Glaube und Missbrauch: „Wieso mache ich das noch mal?"

Pia Schürmann ist Kuratin der Pfadfinder St. Georg in Hamm. In der neuen Folge von „Hammer Stimmen“ spricht sie über Ehrenamt, Glaube, Missbrauch und die Frage: Was macht Pfadfindersein eigentlich aus?

Veröffentlicht: Mittwoch, 24.06.2026 04:00

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Es ist gemütlich auf den gepolsterten Paletten im Gemeindezentrum der Elisabethkirche in Berge. Hier treffen sich Woche für Woche die Pfadfinder der DPSG, so auch Pia Schürmann (26). Sie ist Kuratin des Stammes, Teil des Vorstands und verantwortlich für die geistlichen Impulse. Vor allem aber ist sie seit ihrer Kindheit eng mit den Pfadfindern verbunden. Im Rahmen des Podcast-Projekts „800 Jahre – 8 Persönlichkeiten“ mit Lippewelle-Moderatorin Simone Niewerth und WA-Lokalchef Michael Knippenkötter gibt sie Einblicke in ein besonderes Ehrenamt – und duckt sich nicht weg, wenn es um schwierige Themen geht.

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Aufarbeitung sexualisierter Gewalt

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Im Gespräch wird schnell deutlich: Die Faszination Pfadfinder beginnt oft früh – und bleibt. „Ich bin hier aufgewachsen“, sagt Schürmann. Ihr Weg führte sie durch alle Altersstufen bis in die Leitungsverantwortung. Heute organisiert sie Gruppenstunden, begleitet Kinder und Jugendliche und bringt sich ehrenamtlich in vielen Bereichen ein. „Es ist ein 24/7-Job, obwohl es Ehrenamt ist.“


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Im Jugendraum an der Werler Straße geht es schließlich auch um ein Thema, das viele kirchliche Einrichtungen seit langem beschäftigt: die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt. Eine aktuelle Studie, die hunderte Betroffene und mutmaßliche Täter benennt, hat auch in Hamm Spuren hinterlassen. „Ich war zutiefst schockiert“, sagt Schürmann. In der Leiterrunde werde viel darüber gesprochen, Schutzkonzepte würden erarbeitet, Präventionsschulungen seien fest verankert. „Man denkt mehrfach über Situationen nach, die passiert sind oder passieren könnten.“

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Glaube ja, Institution kritisch

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Die Auseinandersetzung bleibt nicht ohne Wirkung – auch persönlich. „Es bringt mich teilweise mehr ins Zweifeln“, sagt sie offen. Es gebe Momente, „in denen ich mich frage: Wieso mache ich das hier noch mal?“ Auch eine Antwort liefert die 26-Jährige: „Wenn ich bei den Gruppenstunden sehe, was hier passiert, dann weiß ich wieder, warum ich es mache.“ Sie meint die Gemeinschaft, den Zusammenhalt, die besonderen Momente bei den Pfadfindern, „wenn die Kinderaugen dich anstrahlen und du denen das Halstuch mit dem Freundschaftsknoten umhängen darfst“.

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Diese Haltung steht exemplarisch für viele junge Engagierte: Glaube ja, Institution kritisch. Schürmann engagiert sich zwar in kirchlichen Gremien, lebt ihren Glauben aber bewusst individuell. „Man findet mich nicht jeden Sonntag in der Kirche – aber ich glaube trotzdem.“ Gleichzeitig betont sie, dass die Pfadfinder offen für alle seien, unabhängig von Konfession oder Religion.

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Struktur und im langfristiges Miteinander

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Neben diesen grundsätzlichen Fragen geht es in dem Podcast auch um den Alltag der Pfadfinderarbeit. Der unterscheidet sich weniger von klassischen Jugendgruppen, als viele denken: wöchentliche Treffen, Spiele, Ausflüge, Zeltlager. Der große Unterschied liegt in der Struktur und im langfristigen Miteinander. Kinder wachsen in festen Gruppen auf, übernehmen später selbst Verantwortung.

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Das Interesse ist ungebrochen – zumindest bei den Jüngsten. „Wir sind im Moment total überrannt“, berichtet Schürmann. Für die sogenannten Wölflinge gibt es Wartelisten. Gleichzeitig fehlt es an ehrenamtlichen Leitern. Ein Spagat, der die Zukunft der Arbeit prägt. Große Sommerlager, wie sie früher üblich waren, lassen sich oft nicht mehr stemmen.

Pfadfindersein bedeutet für viele mehr als Freizeitgestaltung. Es geht um Werte wie Zusammenhalt, Verantwortung und Offenheit. Und für Schürmann ist klar, wohin die Reise gehen soll: „Wir möchten das weiter aufbauen.“ Mehr Ehrenamtliche gewinnen, mehr Kindern die Teilnahme ermöglichen und gleichzeitig aufmerksam bleiben für die Herausforderungen der Zeit. Dass das gelingt, hängt auch vom Umfeld ab – von Unterstützung durch Eltern, Kirche und Kommune.

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