
Silvester in Hamm: kein Böllerverbot
Immer wieder werden Einsatzkräfte an Silvester angegriffen. In Hamm kommt das zum Glück nur selten vor. Verletzungen bei Erwachsenen und Kindern durch Feuerwerk gibt es dafür umso mehr.
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.12.2025 08:22
Verletzungen durch Böller und Raketen
Jedes Jahr sorgen Böller und Raketen in Hamm wie deutschlandweit für Verletzungen, Brände und viel Arbeit für Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser. Besonders Kinder und Jugendliche sind gefährdet, aber auch Erwachsene geraten in Notfallsituationen. Dr. Philip Hitzler, Chefarzt der Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, und Martin Lenneper, Oberarzt am Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder, berichten, dass in den vergangenen Jahren mindestens fünf Personen, meist Kinder oder Jugendliche, direkt in der Silvesternacht wegen Böllerverletzungen behandelt wurden. Dr. Adrian Komadinic von der St. Barbara-Klinik ergänzt, dass Notaufnahmen jährlich 5–10 Verletzte durch Feuerwerk sehen. Typische Verletzungen sind tiefe Verbrennungen an Händen, Gesicht oder Hals, Knalltraumen an Ohren und Augen oder in Einzelfällen Amputationen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) weist darauf hin, dass bundesweit in der Neujahrsnacht 2024/25 100 Schwerverletzte stationär aufgenommen wurden, darunter auch Kinder. Die Notaufnahmen behandeln jedoch deutlich mehr Menschen ambulant.
Angriffe auf Einsatzkräfte in Hamm
Die Polizei Hamm meldet, dass Angriffe auf Einsatzkräfte in den letzten fünf Jahren selten waren und meist alkoholbedingt. Christian Schimneck von der Polizeigewerkschaft GdP NRW betont, dass ein generelles Böllerverbot schwer durchsetzbar wäre. Stattdessen sei Prävention und konsequentes Vorgehen gegen Regelbrecher sinnvoll. Die Feuerwehr Hamm berichtet, dass Böller jedes Jahr zu Bränden führen und die Einsatzkräfte stark beanspruchen. Die Einsatzzahlen sind zwar insgesamt handhabbar, doch jeder verletzte Mensch sei einer zu viel. Hitzler und Lenneper erklären, dass Alkohol und Drogen die Wahrnehmung und Feinmotorik beeinträchtigen und zu riskanterem Verhalten führen. In Kombination mit Feuerwerkskörpern können dadurch sehr schnell gefährliche Situationen entstehen. Dr. Komadinic sieht ein Verbot von Privatfeuerwerk aus Sicherheits-, Tier- und Umweltschutzgründen als sinnvoll an, schlägt aber auch teilweise Verbotszonen als Kompromiss vor. Polizei und GdP warnen vor Kontrollproblemen und setzen auf gezielte Maßnahmen gegen Regelbrecher. Die Stadt Hamm plant aktuell kein eigenes Böllerverbot. Öffentliche Feuerwerke könnten eine sichere Alternative sein. In den Niederlanden können Menschen 2025 zum letzten Mal privat böllern. Ab 2026 ist es verboten.
Polizei Hamm ruft zur Vorsicht auf
NRW-weit sind noch einmal mehr Streifenpolizisten im Einsatz als im vergangenen Jahr. Die Polizei setzt 7.600 Polizistinnen und Polizisten ein, das sind 200 mehr als 2024. Auch in Hamm sind viele Polizisten unterwegs. Neben einem verstärkten Streifendienst kontrolliert die Hammer Polizei an Silvester und Neujahr auch häufiger zu Alkohol- und Drogen. Ziel sei es, allen Hammern einen sicheren und unbeschwerten Jahreswechsel zu ermöglichen, sagt Hamms Polizeipräsident Thomas Kubera. Dafür kooperiert die Hammer Polizei mit dem Kommunalen Ordnungsdienst.
"Feiern und Gemeinschaft bedeuten nicht nur Spaß und Freude, sondern auch Verantwortung und Rücksichtnahme." - Thomas Kubera, Polizeipräsident Hamm