
Unternehmen in Hamm blicken pessimistisch in das Jahr 2026
Die aktuelle Konjunkturumfrage des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte zeigt eine besorgniserregende Entwicklung für die heimische Wirtschaft. Knapp ein Drittel aller Mitgliedsbetriebe mit über 30.000 Beschäftigten bewerten ihre Lage als ernst und erwarten weitere Verschlechterungen.
Veröffentlicht: Dienstag, 13.01.2026 06:06
Wirtschaft in Hamm auch 2026 unter Druck
Die heimische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer schwierigen Verfassung. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte für 2025/2026, der auch für Hamm zuständig ist. An der Umfrage haben sich knapp ein Drittel aller Mitgliedsbetriebe des Verbandes mit insgesamt über 30.000 Beschäftigten und rund 520 Auszubildenden beteiligt. Die Mehrheit der teilnehmenden Unternehmen geht mit großer Skepsis ins neue Jahr und sieht sich nach wie vor in einer bedenklichen wirtschaftlichen Lage.
Unternehmensverband Westfalen-Mitte: Verschlechterung in allen Bereichen
Besonders alarmierend: In jedem einzelnen Punkt der Umfrage ist eine Verschlechterung zu verzeichnen. Sowohl die Geschäfts-, Auftrags- als auch die Ertragslage haben sich verschlechtert, ebenso die Erwartungen an die kommenden sechs Monate. Ein hoher Anteil der befragten Unternehmen bewertet die aktuelle Situation als ernst und klagt über schlechte Geschäfte sowie niedrige Erträge aufgrund mangelnder Aufträge aus dem In- und Ausland. Viele Betriebe befürchten zudem einen weiteren Einbruch in der ersten Jahreshälfte 2026. Diese Entwicklung spiegelt einen Trend wider, der bereits in anderen wirtschaftlichen Analysen deutlich wurde.
„Wir gehen in ein weiteres Jahr, in dem sich die heimische Wirtschaft insgesamt in einer schwierigen Verfassung befindet und keine Verbesserungen erwartet werden. Im Gegenteil: Ein großer Teil der teilnehmenden Unternehmen befürchtet eine weitere Abwärtsentwicklung in den kommenden sechs Monaten. Wir müssen inzwischen von einem strukturellen Abwärtstrend sprechen, der dringend gestoppt werden muss." - Dr. Volker Verch, Geschäftsführer Unternehmensverband Westfalen-Mitte
Investitionsbereitschaft in Westfalen-Mitte stark rückläufig
Die alarmierende Lage und die Bedenken für die Zukunft wirken sich direkt auf die Investitionsbereitschaft der Unternehmen aus. Fast die Hälfte der Unternehmen plant weniger Investitionen im Inland und fast 30 Prozent im Ausland. Erkennbar ist dabei ein besorgniserregender Trend: Eher im Aus- als im Inland zu investieren. Der Anteil der Betriebe, der Auslandsinvestitionen plant, hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, während weniger Unternehmen ihre Auslandsinvestitionen einschränken wollen. Das bedeutet, dass mehr Kapital ins Ausland fließt und vor Ort nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Entwicklung steht im Kontrast zu früheren optimistischeren Prognosen und zeigt die Schwere der aktuellen Krise.
Standortkrise belastet mittelständische Industrie in der Region
Nach Einschätzung von Dr. Volker Verch ist der Abwärtstrend unübersehbar und betrifft besonders die traditionell starke mittelständische Industrie der Region. Die Produktion geht bereits im vierten Jahr in Folge zurück, was bei etlichen Unternehmen für schlechte Stimmung sorgt. In den Betrieben herrscht Unsicherheit und Enttäuschung über diese anhaltende Standortkrise. Die neue Regierung hat zwar mit dem Konjunkturpaket viel Geld in die Hand genommen und Steuersenkungen sowie Bürokratieabbau angekündigt, aber bislang zeigen diese Maßnahmen noch zu wenig Wirkung. Parallel zur aktuellen Entwicklung zeigt sich auch das NRW-Handwerk unter Druck.
„Offensichtlich ist bei etlichen Unternehmen die Stimmung im Keller, weil die Produktion im vierten Jahr in Folge zurückgeht. In den Betrieben herrscht Unsicherheit und Enttäuschung über diese anhaltende Standortkrise. Die neue Regierung hat zwar mit dem Konjunkturpaket sehr viel Geld in die Hand genommen, Steuersenkungen und Bürokratieabbau angekündigt, aber bislang zeigen diese Maßnahmen noch zu wenig Wirkung." - Dr. Volker Verch, Geschäftsführer Unternehmensverband Westfalen-Mitte
Rückbesinnung auf bewährte Stärken gefordert
Der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes sieht dennoch Potentiale für eine Trendwende. Die heimische mittelständisch geprägte Industrie habe eine lange Tradition als erfolgreicher Player auch international, weil ihre Substanz stabil und der Standort früher stark war. Zu diesem Potential müsse man zurückfinden. Dafür seien jedoch grundlegende Reformen und ein pragmatischerer Ansatz nötig, der gute Ideen nicht von vornherein durch Überregulierung ausbremst. Nur so könne der Weg aus der Krise geschafft und der Wohlstand für alle gesichert werden. Handwerkspräsident Andreas Ehlert fordert deshalb eine konsequente Wirtschaftspolitik mit Fokus auf den Mittelstand.

