
Waffelfabrik statt Waffenfabrik
Ulf Jaspert führt gemeinsam mit Tochter Sinah das Traditionsunternehmen Frija-Waffeln in Hamm. In der neuen Folge von „Hammer Stimmen – Zeit für eine Aussprache“ erzählen die beiden von Auswanderung, Familientradition und der Frage: Wie wird ein Hammer Familienbetrieb zum Eiswaffel-Lieferanten für halb Europa?
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.07.2026 04:00
Wer in einer Eisdiele ein Hörnchen bestellt, hält mit großer Wahrscheinlichkeit ein Stück Hamm in der Hand. In der Richard-Wagner-Straße werden Eiswaffeln am laufenden Band produziert. Deutschlandweit gehören die Frija-Waffeln der Familie Jasper zu den führenden Herstellern im handwerklichen Eiswaffelbereich, sogar italienische Eismacher setzen auf die Produkte aus Hamm. Simone Niewerth von der Lippewelle und WA-Lokalchef Michael Knippenkötter haben sich vor Ort mit Ulf Jaspert und seiner Tochter Sinah zusammengesetzt und für die Podcast-Reihe „Hammer Stimmen – Zeit für eine Aussprache“ ins Mikrofon geknuspert.
Hörnchen aus Hamm: Europas Eiswaffeln kommen aus der Richard-Wagner-Straße
„Im handwerklichen Bereich sind wir in Deutschland sowieso führend, wahrscheinlich auch in Europa“, sagt Geschäftsführer Ulf Jaspert selbstbewusst. Dass ausgerechnet Hamm zu einem Zentrum der Eiswaffelproduktion werden würde, verdankt das Unternehmen einer Reise in die USA.
Hörnchen aus Hamm: Europas Eiswaffeln kommen aus der Richard-Wagner-Straße
Angefangen hat alles vor 113 Jahren. Urgroßvater Fritz Jaspert, ein Bauerssohn, wanderte nach Amerika aus und entdeckte dort auf einer Weltausstellung handgedrehte Eiswaffeln. Die Idee faszinierte ihn. Zurück in Deutschland begann er gemeinsam mit seiner Frau zunächst in kleinem Maßstab mit der Produktion. Statt Hörnchen entstanden anfangs Waffelröllchen, die mit dem Fahrrad an Bäckereien ausgeliefert wurden.
Aus der Garagenproduktion entwickelte sich über Generationen ein erfolgreiches Familienunternehmen. Heute arbeiten in der Hochsaison rund 100 Mitarbeiter für Frija-Waffeln. Die Maschinen laufen dann nahezu rund um die Uhr: von Montagmorgen bis Samstagmittag. Wenn alle Anlagen gleichzeitig produzieren würden, könnten mehr als 200.000 Waffeln pro Stunde hergestellt werden.
Export-Hit Italien: Wenn Eiscreme-Land auf Hammer Waffeln setzt
Heute gehen die Hammer Waffeln in zahlreiche europäische Länder, darunter Frankreich, Spanien, Österreich, die Schweiz, die Niederlande und Großbritannien. Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet Italien ist einer der wichtigsten Exportmärkte. Sogar eine eigene Vertriebsgesellschaft hat das Unternehmen im Land der Eiscreme aufgebaut.
Mitten in dieses Traditionsunternehmen ist inzwischen die vierte Generation eingestiegen. Tochter Sinah Jaspert gehört seit 2022 offiziell zur Unternehmensführung und hat bereits Anteile übernommen. Dabei war der Schritt keineswegs selbstverständlich. Nach einem Studium der International Business Studies liebäugelte sie zeitweise auch mit einer beruflichen Zukunft im psychologischen Bereich.
Die vierte Generation übernimmt: Sinah Jaspert steigt ein
Allerdings war die Verbindung zum Familienbetrieb immer präsent. Schon als Kind musste sie regelmäßig erklären, womit ihr Vater eigentlich sein Geld verdient. Das sorgte nicht selten für Verwirrung. „Mein Papa hat eine Waffelfabrik“, sagte sie früher. Die Reaktion lautete häufig: „Eine Waffenfabrik?“ Erst nach einer Korrektur löste sich das Missverständnis mit einem Schmunzeln auf.
Heute arbeitet sie daran, die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten. Neue Ideen gibt es genügend, sagt sie. Gleichzeitig weiß sie, dass sie ein gut bestelltes Feld übernimmt. Die Nachfrage nach Eiswaffeln gilt als erstaunlich krisenfest. Wirtschaftliche Schwankungen spüre die Branche deutlich weniger als andere Bereiche.
Die größte Herausforderung der vergangenen Jahre war deshalb nicht die Konjunktur, sondern die Corona-Pandemie. Weil Frija-Waffeln die Lager traditionell schon im Winter für die Eissaison füllt, standen die Hallen plötzlich voller Ware, als Eisdielen und Gastronomie schließen mussten. Erstmals in der Unternehmensgeschichte wurde Kurzarbeit notwendig. Nach einigen Monaten normalisierte sich die Lage jedoch wieder.
Krisenfeste Branche: Warum Eiswaffeln der Konjunktur trotzen
Auch wenn die Zukunft offen bleibt, hat Sinah Jaspert eine klare Vorstellung davon, wo Frija-Waffeln in den kommenden Jahrzehnten stehen soll: weiterhin in Hamm. Nicht zuletzt wegen der langjährigen Mitarbeiter und ihrer Verbundenheit zum Standort. Für sie gehört das Unternehmen ebenso zur Stadt wie der Kurpark oder der Glaselefant. Und vielleicht ist genau das das Besondere an Frija-Waffeln: Viele Hammer kennen den Namen, aber kaum jemand ahnt, wie oft ein Stück ihrer Heimat täglich in den Eisdielen Europas landet.