
Warken-Pläne: Apotheken in Hamm winken ab
Der Hammer Apothekensprecher Martin Schwarzer sieht die jüngst vorgestellten Reformpläne der Bundesgesundheitsministerin kritisch und betont, es gebe für eine Umsetzung in Hamm nicht die nötigen Voraussetzungen.
Veröffentlicht: Sonntag, 19.10.2025 10:03
Apotheken in Hamm fordern bessere Rahmenbedingungen
Bei den Vorschlägen aus dem Gesundheitsministerium geht es unter anderem darum, Apotheken – insbesondere in wohnortnaher Versorgung – stärker als gesundheitliche Anlaufstelle auszubauen. Dazu sollen zusätzliche Beratungs- und Dienstleistungen, Schnelltests, Prävention und stärkere Vernetzung mit Arztpraxen gehören.Der Hammer Apothekensprecher Martin Schwarzer (Foto) sagte im Lippewelle-Gespräch, für die Reformpläne gebe es auch in Hamm nicht die nötigen Voraussetzungen.„Die Apotheken auch in Hamm kämpfen aktuell ums Überleben“, betont Schwarzer. In einer solchen Situation könnte niemand noch mehr Aufgaben übernehmen, ohne dass das in irgendeiner Art und Weise honoriert werde. Er verweist darauf, wie sich die Situation der Apotheken auch in Hamm seit Jahren und Jahrzehnten kontinuierlich verschlechtert habe: Schon seit längerem könnten die Apotheken nicht mehr den Preis-Anteil ihrer Marge frei gestalten – stattdessen sei dieser durch gesetzliche Vorgaben limitiert. Gleichzeitig sei der zu berechnende Fixbetrag pro Medikament, der erstattet werde, seit Jahren nicht mehr erhöht worden – während Inflation, Personalkosten und Energiekosten weiter stiegen.
Weniger Apotheken in hamm
In Hamm sei die Zahl der Apotheken über die Jahrzehnte deutlich zurückgegangen, so Schwarzer. Früher habe es mal 55 gegeben, mittlerweile seien noch 34 übrig geblieben. Die verbliebenen Apotheken in Hamm hätten sich zum Teil bereits eigenständig organisiert und spezialisiert: Einige konzentrierten sich auf Diabetes-Medikamente, andere auf Medikamente für die Krebstherapie und wieder andere auf die Medikamentenabgabe für Substitutionsprogramme. Solche Spezialisierungen zeigten, wie stark die Apotheken in Hamm zunehmend gezwungen sind, neue Nischen zu finden, um überlebensfähig zu bleiben, so Schwarzer. Viele kämpften seit Jahren ums wirtschaftliche Überleben.
Voraussetzungen in Hamm müssten sich ändern
Schwarzer bewertet die Ansätze der Pläne als „prinzipiell umsetzbar“. Grundsätzlich seien Apotheken in Hamm selbstverständlich in der Lage, die von der Gesundheitsministerin angeregten Aufgaben zu übernehmen. Erst kürzlich gab es in Hamm die "lange Nacht des Impfens". Und natürlich könnten zusätzliche Aufgaben wie Raucherprävention, Schnelltests oder bestimmte Vorsorgeerkennungen dazu beitragen, wieder mehr Menschen in die Apotheken vor Ort zu bringen. Aber aus finanzieller und personeller Sicht ist das nicht umsetzbar.
"Hinter der Vergütung sehe ich ein großes Fragezeichen – und die Arbeit muss auch zu schaffen sein, die wir laut Ministerin zusätzlich erledigen sollen“, Martin Schwarzer. Apothekensprecher, Hamm
Schwarzer fordert die Erhöhung der Vergütung für Apotheken und einen deutlichen Abbau von Bürokratie. „Alle Pläne haben in gewisser Weise ja auch mit Personal zu tun, und das muss sich erstmal wieder finden lassen“, so Schwarzer. Er beobachte, dass das Interesse an der sehr anspruchsvollen Ausbildung als PTA (Pharmazeutisch-technische Assistenz) deutlich nachgelassen habe – es fehle also an Personal. Zudem ließe sich die Nachfolge einer Apotheke in Hamm mittlerweile nur noch sehr schwer zu regeln sei, da kaum jemand das wirtschaftliche Risiko eingehen wolle. „Junge Kollegen und Kolleginnen scheuen die Selbständigkeit“, so der Apothekensprecher.