
Warum in Hamm tausende Mülltonnen stehen bleiben
Der Abfallwirtschaftsbetrieb Hamm informiert über die Hintergründe der Tourenumstellung zum Jahreswechsel, die zu zahlreichen Beschwerden von Bürgern führte. Die Umstellung war aus Sicherheitsgründen notwendig, doch Planungsfehler und winterliche Bedingungen verschärften die Situation.
Veröffentlicht: Dienstag, 17.03.2026 05:20
Sicherheitsvorschriften erzwangen Neuplanung der Müllabfuhr in Hamm
Die umfassende Neuplanung der Müllabfuhr in Hamm war keine freiwillige Entscheidung: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung schreibt vor, dass Rückwärtsfahrten bei Müllsammelfahrzeugen weitestgehend vermieden werden müssen. Im gesamten Stadtgebiet wurden 862 Situationen identifiziert, in denen Müllfahrzeuge bisher rückwärts fahren, rangieren oder wenden mussten. Bei allen Rückwärtsbewegungen können Gefahrensituationen mit hohen Risiken für Dritte und Beschäftigte entstehen. Der ASH prüfte zunächst, ob einfache Maßnahmen wie das Entfernen von Pollern oder Baum- und Heckenschnitt ausreichen. Bei 286 Situationen waren jedoch Maßnahmen mit erhöhter Schutzwirkung dringend erforderlich. Um Parkverbote und die Bereitstellung von Behältern an Sammelplätzen zu vermeiden, entschied sich der ASH für den Einsatz kleinerer Engstellenfahrzeuge. Dies machte eine grundlegende Neuplanung aller Touren im Stadtgebiet notwendig.
Winterdienst und Planungsfehler verschärften die Situation
Als Termin für die Tourenumstellung wurde der 1. Januar 2026 gewählt, da zu diesem Zeitpunkt turnusgemäß der neue Abfuhrkalender herausgegeben wird und Bürger gewohnt sind, dass sich Abfuhrtage ändern können. Erschwerend kam hinzu, dass zwischen dem 1. und 12. Januar fünf Volleinsätze und drei Teileinsätze im Winterdienst erforderlich waren - eine in Hamm zu diesem Zeitpunkt seltene Einsatzdichte. Obwohl die beauftragte externe Firma die IST-Zahlen der 2025 bestehenden Touren berücksichtigte und sich vor Ort ein Bild besonderer Straßensituationen machte, stellte sich in der Praxis heraus, dass bei einigen Touren die Zeiten und Tonnagen nicht passen. Dies betrifft in erster Linie die Containertouren, die von Beginn an nicht komplett durchgefahren werden konnten. Hinzu kommen Planungsfehler durch die bislang fehlende Digitalisierung, etwa abweichende Ladeorte oder nicht definierte Standorte großer Behälter.
5 Prozent der Leerungen müssen angepasst werden
Von den insgesamt 281.000 Behältern, die der ASH leert, muss die Planung bei etwa 14.000 Behältern angepasst werden - das entspricht rund 5 Prozent. Bei 95 Prozent der Leerungen finden die Abfuhren wie geplant statt. Der ASH veröffentlicht täglich die nicht abgefahrenen Straßen und fährt diese schnellstmöglich nach. Um die Situation zu entspannen, setzt der ASH seit Bekanntwerden der Probleme täglich ein zusätzliches Fahrzeug ein, damit alle Touren am regulären Abfuhrtag gefahren werden können. Dafür wurden vier zusätzliche Mitarbeiter vorübergehend in der Müllabfuhr eingesetzt. Die Zahlen der Beschwerden sinken bereits wieder. Parallel werden die fehlerhaften Touren strukturell angepasst.
Digitalisierung soll Müllabfuhr langfristig optimieren
Mittelfristig arbeitet der ASH mit dem SmartCity-Team der Verwaltung an einer durchgehenden Digitalisierung in der Müllabfuhr. Damit soll die Abfallsammlung weiter optimiert und individuell angepasste Leerungen angeboten werden können. Die Digitalisierung soll künftig verhindern, dass bei Tourenumstellungen erneut Planungsfehler durch unvollständige oder ungenaue Daten entstehen. Der ASH bittet die Bürger weiterhin um Geduld und darum, nicht geleerte Tonnen zu melden, besonders wenn die Leerung auch beim zweiten Versuch nicht klappt.
Neue Betriebsleiterin beim ASH Hamm
Seit dem 1. Februar 2026 leitet Tamari Kersten den Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb Hamm (ASH) und bringt damit umfangreiche Erfahrung aus der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung mit. Ihr Vorgänger Robert Reminghorst ist seit dem 1. Januar Technischer Leiter bei der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft des Kreises Unna (GWA).
Er war nur zweieeinhalb Jahre in Hamm. Sein Wechsel war vor der umstrittenen Umstellung der Touren geplant. Die 44-Jährige Kersten war zuvor unter anderem als Betriebsleiterin bei der Stadtreinigung Hamburg sowie beim Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld tätig. Zu den aktuellen Herausforderungen zählt die neue Müllabfuhr-Route, an deren Optimierung bereits gearbeitet wird. Darüber hinaus stehen zukunftsweisende Projekte auf der Agenda: die Digitalisierung des ASH, der Bau des zweiten Wertstoffhofs am Ökonomierat-Peitzmeier-Platz sowie die Integration der Biotonne in die reguläre Müllabfuhr sollen den Betrieb weiter voranbringen.
Autor: Rainer Wilkes