
Hamm: Streit um Abtreibungsverbot geht in nächste Runde
Der Streit zwischen Dr. Joachim Volz und dem katholischen Klinikträger in Lippstadt geht am Donnerstag (5.2.) vor dem Landesarbeitsgericht Hamm in die nächste Instanz. Eine Demonstration soll den Chefarzt bereits am Vormittag unterstützen.
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.02.2026 17:32
Berufungsverhandlung in Hamm startet um 12.15 Uhr
Das Landesarbeitsgericht Hamm verhandelt heute ab 12.15 Uhr über die Berufung von Dr. Joachim Volz, Chefarzt des Klinikums Lippstadt. Der Mediziner war in erster Instanz vor dem Arbeitsgericht gescheitert, als er gegen eine Dienstanweisung seines katholischen Krankenhausträgers geklagt hatte. Das Gericht hatte im Sommer entschieden, dass der Klinikträger als Arbeitgeber berechtigt war, dem Mediziner Vorgaben zu machen und Schwangerschaftsabbrüche - abgesehen von engen Ausnahmefällen - zu verbieten. Diese Ausnahmen gelten nur, wenn das Leben der Mutter oder des ungeborenen Kindes akut bedroht ist. Prof. Dr. Volz strebt nun ein neues Urteil an und hofft auf eine Kehrtwende in der zweiten Instanz.
Demonstration am Hammer Marktplatz
Bereits vor der Verhandlung fand um 10 Uhr eine Demonstration zur Unterstützung des Mediziners auf dem Hammer Marktplatz statt. Rund 500 Menschen haben am Vormittag auf dem Marktplatz in Hamm «gegen das katholische Abtreibungsverbot» am Klinikum Lippstadt protestiert. Die breite öffentliche Unterstützung für Dr. Volz zeigt, dass der Fall weit über die Region hinaus Beachtung findet. Der Chefarzt sieht mit dem Verbot das ärztliche Urteil, den Willen der Patientin und auch das Gesetz missachtet. Nach seiner Auffassung sollte niemand Ärztinnen und Ärzten aus moralischen Gründen vorschreiben, welche Therapien sie anbieten dürfen. Chefarzt Joachim Volz sagte uns vor dem Prozess: Volz:
"Es geht wirklich um ein prinzipielles Problem. Es geht darum, und das zeigen die vielen Menschen hier, um Selbstbestimmungsrechte der Frau. Es geht um die Freiheit der Medizin gegen eine Institution, die das wirklich nicht möchte. Und deswegen ist es schön, dass viele Menschen hier sind, dass auch viele Gruppen mich unterstützen. Das zeigt einfach, wie wichtig dieses Thema ist." - Prof. Dr. Joachim Volz
Urteil möglicherweise noch heute - Signal für ganz Deutschland
Der Ausgang der Berufungsverhandlung gilt als völlig offen. Nach der mündlichen Verhandlung wird sich die Kammer wie üblich zu einer geheimen Schlussberatung zurückziehen. Ein Urteil könnte möglicherweise bereits heute verkündet werden, da das Verfahren sehr schnell gehen kann. Dr. Volz betont, von dem Prozess könnte ein Signal für ganz Deutschland ausgehen. Der Fall beschäftigt nicht nur die Justiz, sondern wirft grundsätzliche Fragen zum Spannungsfeld zwischen ärztlicher Behandlungsfreiheit und den weltanschaulichen Vorgaben konfessioneller Krankenhausträger auf. Die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamm wird daher mit Spannung erwartet.
Autor: Lars Kosmehl
