
Innenstadt Hamm im Wandel: IHK sieht Fortschritte
Wie attraktiv ist oder wird die Hammer Innenstadt? Zu dieser Frage hat sich jetzt auch die Industrie- und Handelskammer geäußert - und sieht positive Entwicklungen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.10.2025 08:39
IHK-Geschäftsführerin sieht Hamm auf gutem Weg
Die Hammer Innenstadt steht vor großen Herausforderungen: Leerstände prägen das Stadtbild, das pulsierende Leben fehlt vielerorts. Das Thema bewegt nicht nur die Hammer, die Gastronomie, die Gewerbetreibenden und die Stadt, sondern auch die Industrie- und Handelskammer. Der zwölfte Handelstag der IHK NRW in Dortmund stand deshalb unter dem Motto "Zukunftsort Innenstadt – neue Qualitäten für Handel & Stadtleben". IHK-Geschäftsführerin Simone Bergmann zieht im Gespräch mit der Lippewelle eine differenzierte Bilanz. Die für den Einzelhandel in Hamm zuständige Expertin betont, dass ein solcher Wandel Zeit braucht - aber in Hamm schon konkrete Fortschritte sichtbar sind.
"Die Hammer Innenstadt ist im Wandel und sowas dauert seine Zeit. Auf jeden Fall tut sich aber was, vor allem das Beispiel Abriss Kaufhof zeigt, wieviel möglich ist." - Simone Bergmann, IHK-Geschäftsführerin
Hamm steht vor besonderen Herausforderungen, die den Wandel erschweren. Der Online-Handel hält an, die Kaufkraft ist nicht so hoch wie beispielsweise in Münster, was die Attraktivität für Einzelhändler mindert. Zusätzlich macht die schlauchförmige Struktur der Fußgängerzone die Entwicklung nicht leichter. Dennoch zeigt sich Bergmann optimistisch, dass auch mit kreativen Lösungen und einem längeren Atem bei der Stadtentwicklung für die Hammer City vieles möglich ist.
Auch in Hamm macht es die Mischung
Moderne Innenstädte entwickeln sich weg vom reinen Handelsort, so Bergmann. Verkaufsflächen werden weniger, und es vermischt sich zunehmend Handel und Gewerbe mit Wohnen, Dienstleistungen und Events. Um Menschen in die Innenstadt zu locken, müsse mittlerweile regelmäßig etwas geboten werden - und hier sei Hamm bereits gut aufgestellt, so die Geschäftsführerin. Verkaufsoffene Sonntage, oft kombiniert mit Events wie Mobilitätstag, Genussfest, Bunter Herbst oder auch Weihnachtsmarkt bringen laut IHK Leben in die Fußgängerzone. Das neu eröffnete Innenstadtbüro trage ebenfalls dazu bei, Menschen in die City zu locken, wenn sie dort Erledigungen haben oder direkt vor Ort abwickeln können. Allerdings sei mit allen Veränderungen auch immer eine Bautätigkeit verknüpft, gibt Bergmann zu bedenken. Die könne zunächst auch Einzelhändler direkt brtreffen, und Einschränkungen bedeuten, deshalb sei es so wichtig, alle Beteiligten auf dem Weg der Veränderung mitzunehmen.
Rocken Pop-up-Stores die Hammer Innenstadt?
Das Thema Sicherheit spielt auch immer zusammen mit der "sozialen Kontrolle", sprich: je mehr Menschen in der Stadt unterwegs sind, desto mehr steigt das Sicherheitsgefühl beim Einzelnen an. Auch Start-ups und Existenzgründer können frischen Wind in die Innenstadt bringen, weil sie einen Grund liefern, dorthin zu kommen. Ein positives Beispiel aus Hamm ist das mittlerweile über die Grenzen der Stadt hinaus etablierte Start-up Limited Kickz im Allee-Center. Es wurde in diesem Jahr sogar mit dem Gründerpreis der IHK ausgezeichnet. Grundsätzlich sei es hilfreich, Start-ups beispielsweise zeitweise Präsenz in Pop-up-Stores. zu bieten, so Bergmann. Allerdings hänge die Umsetzung stark von den örtlichen Immobilien und deren Besitzern ab - nicht jeder Leerstand eigne sich für eine vorübergehende Pop-up-Nutzung.
Allee-Center in Hamm lockt mit Sicherheit und Sauberkeit
Sauberkeit und Sicherheit sei grundlegend dafür, dass sich Menschen in der Innenstadt wohlfühlen, betont Bergmann. Hier komme nun wieder das Allee-Center ins Spiel, denn es habe sich herausgestellt, dass gerade Einkaufscenter aktuell wieder damit punkten.
"Einkaufscenter wie das Allee-Center vermitteln Sauberkeit und Sicherheit, deshalb werden sie aktuell auch wieder sehr gerne besucht." - Simone Bergmann, IHK-Geschäftsführerin
Wenn es ein Center in einer Stadt gebe, müsse man es schaffen, die Einrichtung mit der Innenstadt zu verbinden, so die IHK-Geschäftsführerin. Das laufe in Hamm ja tatsächlich ganz gut.
City-Manager für Hamm durchaus sinnvoll
Die Frage nach einem City Manager für Hamm bleibt komplex. Bergmann sieht sowohl Vor- als auch Nachteile in dieser Diskussion, hält einen City-Manager aber grundsätzlich für sinnvoll. .Da diese Position aktuell nicht mehr finanziell gefördert wird, muss sicherlich abgewogen werden, ob die vorhandene Wirtschaftsförderung nicht bereits die Aufgaben erfüllt, die ein City Manager übernehmen würde, so Bergmann. Andererseits könnten Vernetzung und kurze Kommunikationswege grundsätzlich dabei helfen, Projekte voranzubringen. Sie sehe einen City-Manager als "Kümmerer" für die Innenstadt, betont die Geschäftsführerin. Er oder sie suchten in der Regel direkten Kontakt zu Gewerbetreibenden und Immobilieneigentümern und habe direkten Draht zur Verwaltung. Gleichzeitig könne ein City-Manager sicherlich gut vernetzen.
"City-Management kann gerade im Hinblick auf die Ansiedlung junger Unternehmen etwas bewirken weil genau klar ist, wo steht etwas leer und wo können Ladeneigentümer und Existenzgründer zusammengebraucht werden." Simone Bergmann, IHK-Geschäftsführerin
Im kommenden Jahr werden Passanten in Hamm gezählt
Das Empfinden, ob eine Innenstadt attraktiv sei, sei vor allem auch ein subjektives Gefühl, betont Bergmann. Allerdings sei es auch immer hilfreich, wenn es tatsächlich Zahlen gebe. So habe die IHK im nächsten Jahr auch in Hamm die Messung so genannter "Passantenfrequenzen" geplant. Dann hätte man auch eine belastbare Datenbasis vorliegen so Bergmann.
Autorin: Ute Hien